WLAN Modul nicht gefunden

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dirac
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WLAN Modul nicht gefunden

Beitrag von dirac »

Guten Tag,
heute hat sich meine Touch nicht mehr via WLAN mit dem Server verbunden. Als Fehlermeldung kam: kein WLAN Modul gefunden. Via Ethernet funktioniert alles wie erwartet.
Software sollte aktuell sein:
Firmware: 9.0.1-r17050, Server Version: 9.0.2 - 1741501853

Ist das WLAN - Modul defekt? Oder kann es an der Fritz-Box bzw. dem Fritz-Repeater liegen? Geändert wurde jedenfalls nichts.

Danke für Informationen
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JoeMod2015
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Re: WLAN Modul nicht gefunden

Beitrag von JoeMod2015 »

Servus,

ich bin jetzt sehr spät dran, sorry dafür. Habe den Beitrag erst gerade eben gesehen.
@dirac: ich bin ja hartnäckig und biete auch Dir an, mir die Touch für einen unverbindlichen Reparaturversuch zuzuschicken. Viel Hoffnung kann ich Dir allerdings nicht machen. Die Gründe kommen jetzt alle hier:

Ich sehe in den Foren eine gewisse Tendenz, dass sich diese Fälle häufen. Die Gründe sind verschieden, teilweise kann das mit Neustarts behoben werden, teilweise bleibt Wi-Fi dauerhaft tot, manchmal mit Fehlermeldungen, manchmal ohne. Es ist ziemlich diffus. Wahrscheinlich setzt sich die Problematik noch aus Hardware, Software, Konfiguration und Umgebung zusammen.
Was die Hardware betrifft, gibt es bei der Touch sowieso eine Art eingebautes Russisch Roulette, beim Radio ähnlich. Aus dem Nichts zerschießt sich die Squeezebox dann mit durchgebrannten Spannungsreglern, in manchen Fällen ist nur einer durch, in anderen praktische alle (es sind einige verbaut). Mir ist es in sicher über 20 Reparaturen bisher nie gelungen, eine Touch aus diesem Zustand wieder zum Leben zu erwecken.
Die Ursache ist in vielen Fällen unbekannt, also "spontane Selbstzerstörung" beim Rumstehen im Standby. Garantiert geht eine Touch hops beim Anschließen eines falschen Netzteils. DC-Hohlstecker sind ja leider ein weit verbreiteter Standard, und schon im Squeezebox-Universum wird über diesen Stecker zwischen 5 und 18 Volt ans Gerät geliefert. Geräte anderer Hersteller haben auch mal 24 Volt auf dem Stecker, und in Einzelfällen ist die Polarität vertauscht. Wer seine Touch verpolt bestromt oder mit mehr als 5 Volt, hat ab dann einen Briefbeschwerer.
Die einzige überhaupt halbwegs erfolgreiche Reparatur war der Tausch des EEPROMS in einer Touch durch das EEPROM eines Spendergeräts, da sich die eingesendete Touch überhaupt nicht mehr mit dem Netzwerk verbinden lassen wollte, weder via Ethernet noch Wi-Fi. Am Ende ging zumindest Netzwerk über Kabel, bei Wi-Fi kommt jetzt die Meldung, dass die Wi-Fi-Hardware nicht gefunden werden kann. Besser als nichts, aber die Skepsis bleibt, wie lange das halten wird. Die Fehlermeldung kam vorher nicht, als keinerlei Konnektivität bestand. Alles merkwürdig.
Es ist total bedauerlich, dass Logitech beim Design der neueren Geräte auf einen Chip für Wi-Fi gesetzt hat statt weiterhin auf die MiniPCI-Karten, die man hätte tauschen können. Ob es was bringt, den Chip zu tauschen, ist ungewiss, und diese Chips gibt es wohl auch nicht mehr als Ersatzteile. Man kann also bestenfalls eine Touch zugunsten einer anderen schlachten, mit hohen Fehlerrisiko und am Ende zwei Briefbeschwerern.
Die Touch ist in mancher Hinsicht gruselig. Es gibt z.B. kein anderes Modell, das es schafft, seine Infrarot-Empfänger-Diode zu zerschießen. Bis ich das das erste Mal selbst gesehen habe, konnte ich nicht glauben, dass es überhaupt möglich ist, war aber definitiv so passiert: der Austausch gegen eine neue IR-Diode brachte die Funktion zurück. Vielleicht bekommt sie zu viel Spannung, man weiß es nicht. Jedenfalls machen Touch und Radio an einigen Stellen den Eindruck, als sei das Design zwischen Tür und Angel entstanden und nicht viel Zeit zum Testen gewesen, oder zum Einbau von Schutzmaßnahmen gegen übliche Fehler wie Verpolung, falsche Spannungen, ESD, Blitzschäden etc.

Aber zurück zum Thema: was wären die wahrscheinlichsten Ursachen dafür, dass Wi-Fi ausfällt? Ohne Anspruch auf Vollständigkeit hier ein paar Ideen:
  • Netzteil: wie schon in ähnlichen Threads erwähnt wird, kann eine Squeezebox auch partiell ausfallen, wenn das Netzteil nicht mehr die volle Leistung bringt. Da kann also alles mögliche normal funktionieren und anderes auf einmal nicht mehr. Da diese Netzteile ziemlich billig nachzukaufen sind, und der Besitzer dies normalerweise auch selbst erledigen kann, ist immer meine erste Empfehlung, ein anderes oder neues Netzteil auszuprobieren
  • Software-Fehler: offenbar ist auch die Touch anfällig für Fehler im EEPROM-Speicher. Sofern es noch geht, würde ich das Update der Firmware empfehlen, das überschreibt möglicherweise die Fehler
  • WIFI-Version: ein sehr unübersichtliches Thema ist die vor einigen Jahren eingeführte Versionierung. Früher hieß es 802.11a, 802.11g, 802.11n oder so ähnlich, was auch schon schwer zu begreifen war, aber mit WIFI 4, 5, 6, 7 etc. ist es leider auch nicht einfacher geworden. Eine 802.11-Norm steckt nach wie vor dahinter, zusätzlich aber auch verschiedene Features in verschiedenen Ausprägungen. Grundsätzlich kommt die Squeezebox aus der Zeit, wo 54mbps der Standard war, und je älter die angebotene WLAN-Norm ist, desto besser wird sie funktionieren. Auch wenn Wi-Fi an sich angeblich immer abwärtskompatibel ist, zeigt die Squeezebox eindeutig, dass das nicht stimmt
  • Verbindung zwischen CPU und Wi-Fi-Modul: über wahrscheinlich SPI oder I2C "sprechen" Hauptprozessor und Wi-Fi-Chip miteinander. Wenn diese Kommunikation z.B. durch Leiterbahndefekte oder fehlerhafte Komponenten im Signalweg gestört ist, könnte das die Fehlfunktion erklären. Leider sind beides BGA-Chips, wo sämtliche Kontakte auf der Unterseite des Chips sind und bestenfalls die äußerste Reihe der Lötkugeln zum Messen erreichbar wäre. Hinzu kommt das Fehlen jeglicher Dokumentation. Ich bin jedenfalls bisher nicht schlau geworden aus dem Design. Zudem hat das Board mindestens 4 Layer, vielleicht sogar mehr, und die Signalleitungen werden wahrscheinlich unerreichbar in einer der inneren Schichten verlaufen
  • Bleifreies Lötzinn: war früher gerne mal der Hauptverdacht und es gibt auch Präzedenzfälle (allerdings mir nicht bekannt von der Squeezebox, sondern von anderen Geräten). Lötzinn ohne Blei ist seit ca. dem Jahr 2000 Pflicht, es wird leider durch das fehlende relativ weiche Blei irgendwann spröde und kann Brüche entwickeln. Die Toleranz gegenüber Temperaturschwankungen ist auch erheblich geringer als bei bleihaltigem Lötmaterial. Auch "tin whiskers" können sich entwickeln, d.h. das Zinn migriert auf molekularer Ebene aus der Lötstelle in Form von haarfeinen Nadeln und kann eine Länge erreichen, wo es dann mit benachbarten Lötstellen kurzschließt. Ich glaube allerdings nicht daran, dass das bei der Squeezebox auch so eine erhebliche Bedrohung ist. Die CPU zu "reflowen" (habe ich bislang vor allem bei der SB Classic und Boom gemacht) brachte nie eine Besserung und eine neue CPU einzusetzen, ebensowenig. Ausfallursache war vielmehr die zerschossene Firmware. Das heißt aber nicht, dass in der Produktion der Touch nicht vielleicht doch ein Lötzinn eingesetzt wurde, das jetzt problematisch wird - es wäre auch eine Erklärung für die plötzliche Selbstzerstörung, allerdings - zugegeben - schon etwas weit hergeholt
  • Spannungsversorgung des Wi-Fi-Moduls: wie schon erwähnt, gibt es tonnenweise Spannungsregler auf der Platine der Touch. Man hat den Eindruck, dass praktisch jeder integrierte Schaltkreis seinen eigenen Satz Spannungsregler bekommen hat. Vielleicht haben die Spannungsregler, die für den Betrieb des Wi-Fi-Chips zuständig sind, einen Knacks. Wi-Fi ist etwas speziell dadurch, dass die Leistungsaufnahme sehr schnell und sehr stark variieren kann. Im unbenutzten Modus sind es wahrscheinlich kaum messbare Nanoampères, während beim Senden viele Milliampère zusammenkommen, also Größenordnungen mehr. Der Spannungsregler muss trotzdem immer eine stabile Spannung liefern. Im Design hat man vielleicht entsprechende Pufferkapazitäten nicht eingeplant, weil es auch so funktioniert (hat)
  • Störer: außerhalb der Touch kann vielleicht ein Gerät in der Nähe Interferenzen erzeugen, die das Wi-Fi-Signal so stark zerhacken, dass die Touch daraus nichts mehr machen kann. Das ließe sich allerdings durch Umpositionieren leicht entdecken. Störer müssen nicht unbedingt gleich das Wi-Fi in der gesamten Wohnung unbrauchbar machen, manchmal reicht eine fehlerhafte Abschirmung in irgendeinem Smart Home Device, um zumindest ein paar Zentimeter um sich herum zu wirken
Frustrierend ist, dass man bei keiner Touch mit Wi-Fi-Problemen sicher sein kann, ob der Wi-Fi-Chip selbst defekt ist oder eine der umgebenden Komponenten, eine Leiterbahn, ein Lötkontakt, ein Spannungsregler... solange man nicht weiß, was überhaupt funktioniert, ist es wenig sinnvoll, eine Reparatur zu versuchen. Sofern es für den Chip noch Bezugsquellen gäbe, könnte man ihn auf Verdacht tauschen, aber selbst dann ist unklar, warum der alte Chip gestorben ist, und die Ursache dafür ist vielleicht immer noch vorhanden. Im Grunde gilt diese Herausforderung auch bei jedem anderen Defekt. Ohne Schaltplan ist eigentlich nichts zu machen, und Logitech ist bis heute nicht bereit, irgendwelche technischen Unterlagen zu veröffentlichen. Man zweifelt inzwischen, ob es überhaupt jemals welche gab.

Insofern ist die Touch für mich, so schön und praktisch sie auch sein mag, ein Montagsmodell. Irgendwas stimmt damit ganz grundsätzlich nicht, beim Radio ebenso. Ich setze da lieber auf die wesentlich besser reparierbaren älteren Geräte und verzichte dafür auch gerne auf den Farbbildschirm und die Touchfunktion.

Hoffe, es hilft trotzdem...
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